Hobbesshot über KI
KI, Fotografie und die Sache mit dem Erlebnis
Fotografie im KI-Zeitalter
Macht KI Fotografen überflüssig?
Ich finde KI super! Zum Beispiel beim Programmieren. Meine komplette Website habe ich selbst gebaut und dabei KI-Coding-Agenten eingesetzt, die mir bei einzelnen Aufgaben, Funktionen und ziemlich viel Kleinkram geholfen haben. Das Ergebnis ist eine Seite samt Contentmanagementsystem dahinter, das ziemlich genau so funktioniert, wie ich es haben möchte und so in diesem Umfang wohl allein aus Zeitmangel nicht komplett per Hand hatte coden können.
Und genau dafür finde ich KI großartig.
Sie kann Abläufe vereinfachen, Arbeit beschleunigen, Dinge automatisieren und einem Möglichkeiten geben, die früher entweder deutlich mehr Zeit oder deutlich mehr Umstand gebraucht hätten. Auch in der Fotografie passiert gerade unglaublich viel. Die Bildauswahl lässt sich automatisieren (was ich für mich klar ausschließe, dazu später mal mehr!) , Hintergründe können verändert werden und aus einem normalen Portrait entstehen innerhalb weniger Sekunden Bilder, für die man ein ziemlich aufwendiges Shooting gebraucht hätte.
Natürlich taucht damit irgendwann die Frage auf: Braucht man dann überhaupt noch Fotografen?
Ich glaube schon. Und ehrlicherweise mache ich mir darüber auch gar nicht besonders viele Sorgen.
Ein schönes Bild kann auch einfach ein schönes Bild sein.
Es gibt immer wieder Motive, die plötzlich überall auftauchen. Es reicht manchmal ein kleiner Prompt, ein hochgeladenes Selfie und ein paar Sekunden später steht man beispielsweise in einem dramatischen Schwarz-Weiß-Portrait mit Regentropfen im Gesicht und perfektem Licht.
Kann großartig aussehen. Warum auch nicht? Wenn jemand dieses Bild mag und sich daran freut, ist doch erst einmal alles wunderbar. Aber mich leitet etwas anderes bei der Fotografie.
Denn dieses KI-Bild ist am Ende aus einem Prozess entstanden, bei dem eine Software, wie "klug" auch immer, mit toller Mathematik, kühler Logik und Stochastik ein neues Bild berechnet hat. Jeder Pixel kann verändert worden sein. Die Person auf dem Ergebnis basiert auf der ursprünglichen Aufnahme, aber das Bild selbst hat ja so nie stattgefunden und zeigt, genau genommen, nicht den Menschen. Wir sind nicht weit davon entfernt, wo man nicht mehr zuverlässig erkennen kann, was fotografiert und was generiert wurde und so können ganze Shootingserien auf der Couch generiert werden.
Aber für meinen Punkt spielt auch das keine große Rolle.
Vor der Kamera passiert noch etwas anderes
Bei einem Fotoshooting entsteht nämlich nicht nur das fertige Bild.
Du kommst vielleicht in mein Fotostudio in Gescher und bist erst einmal nervös. Du weißt nicht so richtig, wohin mit deinen Händen. Die ersten fünf Minuten fühlen sich komisch an und du bist dir ziemlich sicher, dass alle anderen Menschen vor einer Kamera bestimmt viel souveräner aussehen. Und irgendwann passiert etwas.
Du hörst auf, über jede einzelne Bewegung nachzudenken. Wir probieren etwas aus. Eine Idee funktioniert vielleicht überhaupt nicht. Eine andere, die eigentlich nur spontan entstanden ist, dafür ganz hervorragend und du merkst, dass du vor der Kamera eine Präsenz zeigst, von der du vorher überzeugt warst, sie nicht zu haben.
Vielleicht ziehst du ein Outfit an, das für dich normalerweise außerhalb der Komfortzone liegt. Vielleicht stehst du mitten im Wald, in einem absurden Lichtsetup oder zwischen Kunstblumen, Glitzer Folie, Farben und irgendwelchem Kram, den ich vorher aus Kinsten im Studio herausgekramt habe.
Und dann schauen wir gemeinsam auf ein Bild und denken beide:
Okay. Das ist schon ziemlich nice!
Genau dieser Moment gehört für mich zur Fotografie dazu.
Ein Foto hat eine Vorgeschichte
Natürlich kann auch bei einem normalen Shooting ein Foto technisch danebenliegen. Der Fokus sitzt vielleicht nicht perfekt. Irgendwo fliegt eine Haarsträhne durchs Bild. Vielleicht ist ein anderes Bild aus derselben Serie objektiv betrachtet sogar besser.
Trotzdem kann genau dieses Foto einen Wert haben. Weil du weißt, wie es entstanden ist. Du erinnerst dich an den Tag, an die Situation, an das Licht, vielleicht an irgendeinen Blödsinn, über den wir kurz vorher gelacht haben.
Ein Fotoshooting hinterlässt eben nicht nur Dateien auf einer Speicherkarte.
Da war vorher eine Idee. Dann standen Menschen zusammen in einem Raum oder an irgendeiner Location und haben versucht, eine Idee oder gar Vision umzusetzen. Manchmal funktioniert der ursprüngliche Plan. Sehr oft biegt man zwischendurch irgendwo ab und landet bei etwas völlig wunderbar anderem.
Das liebe ich daran.
Kreativität passiert zwischen Menschen
Fotografie ist für mich deshalb auch Zusammenarbeit.
Natürlich drücke meistens ich auf den Auslöser. Aber das Bild entsteht natürlich nicht allein dadurch.
Die Person vor der Kamera bringt so viel mit. Bewegung, Ausdruck, Ideen, Unsicherheit, Mut, manchmal völligen Quatsch und manchmal eine spontane Eingebung, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Ich reagiere darauf und daraus entwickelt sich im Austausch miteinander etwas Besonders.
Bei einem kreativen Portraitshooting kann eine im Nu ein Bild entstehen, das mit der eigentlichen Idee kaum noch etwas zu tun hat, aber wunderschön ist und sich viel richtiger anfühlt als das, was man sich vorgenommen hat.Eben solche "Umwege" machen für mich oft die interessantesten Shootings aus.
Wenn ich dagegen zu Hause am Rechner ein Bild generiere, kann ich natürlich ebenfalls kreativ sein. Ich kann mir einen sehr genauen Prompt überlegen, Varianten vergleichen und lange daran tüfteln, vielleicht auch Retuschieren und Montieren bis das Ergebnis meinem Kopf möglichst nahekommt.
Das kann Spaß machen. Nur ist es ein anderer Spaß.
Mir persönlich fehlt dabei die gemeinsame Geschichte hinter dem Bild.
Deshalb habe ich keine Angst vor KI
KI wird die Fotografie verändern. Ganz sicher.
Sie wird uns Fotografen noch mehr Arbeit bei langweiligen Routineaufgaben abnehmen. Sie wird Bildbearbeitung weiter verändern, uns Arbeiten erleichtern. Sie wird neue Möglichkeiten schaffen, Ideen vorzubereiten und Dinge auszuprobieren, die vorher schwierig oder teuer waren.
Ich werde davon garantiert auch einiges nutzen. Warum sollte ich nicht? (Sofern es moralisch und datenschutzrechtlich in Ordnung ist.)
Aber wenn jemand zu mir zu einem Portraitshooting kommt, stell dir vor du wärest das, geht es für mich eben um mehr als darum, am Ende eine möglichst hübsche, trendige JPEG-Datei zu produzieren.
Ich möchte, dass du dich an diesen Tag erinnerst.
Vielleicht sogar an das nervöse Gefühl am Anfang. Daran, dass du irgendwann nicht mehr darüber nachgedacht hast, wie du vor der Kamera aussiehst. An die eine bekloppte Idee, die plötzlich funktioniert hat.
Und vielleicht auch daran, dass du am Ende etwas stolz auf dich warst.
Das kann dir kein generiertes Bild ersetzen.
Und genau deshalb freue ich mich ziemlich entspannt darauf, was KI in Zukunft alles kann.